Dienstag, 20. November 2018, 19:00 Uhr, Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz
Prof. Dr. Ursula E. Koch, München
"Meister Heinrich Zille (1858 - 1929) Lithograf, Maler, Zeichner"
Bis ins ausgehende 20. Jahrhundert war der Maler, Lithograf und "berlinistische" Zeichner
der sozialen Unterschicht (insbesondere Frauen und Kinder), Heinrich Zille, dessen
160. Geburtstag 2018 gebührend gefeiert wird, einer breiten Öffentlichkeit ausschließlich
als ein Künstler bekannt, dem es auf unvergleichliche Weise gelungen war, in auflagen-
starken Satire-Zeitschriften wie den Berliner Lustigen Blättern und dem 
Münchner Simplicissimus (über 100 Bildbeiträge), Sammelbänden und Ausstellungen
"den Ernst als Witz" zu verkaufen. 
Bis 1966 unbeachtet blieb ein Teil seines Nachlasses, aus dem sich ergab, dass Meister Zille
in den 1890er Jahren bis etwa 1910 "sein Milljöh", d.h. ein oft mit "sarkastischem Humor"
und "einem Schuss Erotik" zusammengestelltes Repertoire an Typen und Situationen nicht
selten auch als Amateurfotograf festgehalten hat. Zwar war diese fotodokumentarische und,
soweit erhalten, akribisch erfasste Sammlung eine rein private und daher kein Beitrag
zu einer zeitgenössischen massenwirksamen "Konstruktion von Wirklichkeit".
Nichtsdestoweniger diente so manche dieser Fotografien als Anregung für den Grafiker
Zille, dem 1924 von der Preußischen Akademie der Künste des Professorentitel verliehen
worden war.