Dienstag, 11. April 2017, 19:00 Uhr, Künstlerhaus am Lenbachplatz
Dr. Fritz Wagner, Deggendorf
"Die Kreuzwegfiguren am Geiersberg in Deggendorf aus dem 17. Jahrhundert – ihre Bedeutung als Zeugnis der Frömmigkeitsgeschichte, ihr Schöpfer und die Rolle eines Stifters"

Beim Aufgang von der Pfarrkirche in Deggendorf zum Weg zu der etwa 1 km entfernt liegenden Wallfahrtskirche Unsre liebe Frau am Geiersberg sind etwa 20 lebensgroße Kreuzwegfiguren aus Buntsandstein in sieben Gruppen aufgestellt, die aus dem 17. Jahrhundert stammen. Ihre kunstgeschichtliche Bedeutung ist allgemein anerkannt, ihr Erhaltungszustand teilweise nicht gut. Sie sind ein Zeugnis der Frömmigkeitsgeschichte bis in die neuere Zeit herein.

Zu der Frage, wer der Schöpfer der Kreuzwegfiguren ist, gab es unterschiedliche Theorien, auch spitzfindige Spekulationen, dabei lag die Antwort nahe; denn als der einzige Bildhauer am Ort über mehrere Jahrzehnte in der fraglichen Zeit zugelassen war der aus Straubing stammende Martin Leutner d. J., (*ca. 1606, + nach 1680), dessen Vater eine bedeutende Bildhauerwerkstatt geführt hatte und von dem in der Grabkirche in Deggendorf schon 1623/24 ein steinerner Hochaltar errichtet worden war. Ein jüngst gefundener archivalischer Fund bestätigt diese Zuschreibung.

Der in Deggendorf geborene Färberssohn, später in Wien unter zwei Kaisern bis zum Hofkontrollor aufgestiegene Caspar Aman (1616–1699) erwies sich als großzügiger Stifter, in Wien und an vielen anderen Orten. Seiner Heimatstadt vermachte er eben­ falls zahlreiche Stiftungen, vor allem ein Waisenhaus. Für die Kreuzwegfiguren, die bislang zu unrecht auch in der Anschaffung ihm zugeschrieben wurden, stellte er einen größeren Betrag für ihre Erhaltung zur Verfügung. Damit muss auch die Entstehungszeit der Figuren um einige Jahrzehnte vorverlegt werden.