Freitag, 1. November 2019, 19:00 Uhr, München
Dr. Heinrich Küfner
Vortrag am 8.10.19

Heinrich Küfner: November 2019

 

Text zum Vortrag im Münchner Altertumsverein am 8.10.2019

ohne Abbildungen

Das mittelalterliche München wird vernachlässigt: Chancen der Renovierung und Rekonstruktion von Stadttoren und Festungsanlagen

Das historische München lässt sich durch drei Stadtansichten beschreiben:

1. durch ein mittelalterlich-barockes München primär innerhalb der zweiten Stadtmauer, wie es in der Abbildung von Merian 1642 als Grundriss skizziert wird.

2. durch ein königliches München, das neben Max-Joseph den I. hauptsächlich durch Ludwig den I. und seinem Nachfolger König Max den II. (oder König Maximilian) geprägt wurde. Es umfasst das heutige Museumsviertel, die Brienner-, die Ludwigs- und die Maximiliansstraße.

3. Das bürgerliche München der Gründerzeit um 1900 mit Bauten wie dem Justizpalast (Friedrich v. Thiersch), dem Künstlerhaus und dem Bayerischen Nationalmuseum (Gabriel v. Seidl) oder dem neuen Rathaus (Georg von Hauberrisser).

Die begriffliche Zusammenlegung von Mittelalter und barocker Stadtansicht hat zwei Gründe: Einmal wurden barocke Bauten in München bis auf die Schlösser Blutenburg, Nymphenburg und Schleißheim innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern errichtet. Zum anderen erfolgte der Abschluss der Stadtbefestigung mit dem Bastionengürtel erst in der Barockzeit 1638 zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Im Mittelpunkt der weiteren Betrachtung steht jedoch das mittelalterlich München. Es wird städtebaulich von der zweiten Stadtmauer (Beginn 1294) umgrenzt, die später durch eine Zwingermauer (Beginn 1424 ) ergänzt wurde. Das Stadtmodell von Sandtner (1570) stellt diese Zeit der Stadtentwicklung dar.

Die erste Stadtmauer ist nur noch durch das rekonstruierte alte Rathaustor präsent, die zweite Stadtmauer wird durch drei Toranlagen im Münchner Stadtbild sichtbar, aber ihr Erscheinungsbild wirkt heute insgesamt stark vernachlässigt und isoliert wie ein Fremdkörper in einer weitgehend auf Kommerz und Shopping eingestellten Innenstadt. Wenn man sich das mittelalterlich-barocke München mit seinen Toren und Türmen vor Augen führt, dann erscheinen Teile der Münchner Kernstadt durchaus ausbaufähig und in Teile rekonstruierbar. Das ist das Hauptanliegen dieser Darstellung. Es geht um Chancen der Renovierung und Rekonstruktion und der Vision eines mittelalterlich Münchens in unserer Zeit. Zunächst wird die erste Stadtmauer mit den früheren fünf Toren beschrieben und unter der Frage diskutiert, welche Tore oder Türme zu einer Bereicherung des heutigen

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Stadtbildes beitragen und eventuell rekonstruiert werden können. Danach erfolgen eine Beschreibung der zweiten Stadtmauer und deren Ausbau. Hier stellt sich die Frage, was wurde in welchem historischen Erscheinungsbild erhalten, was lässt sich vielleicht ergänzen oder besser sichtbar und greifbar machen für die gegenwärtigen Stadtbewohner und für die vielen München Besucher. Abschließend werden Sinn und Zweck mittelalterlicher Baudenkmäler (Erinnerung an geschichtliche Entwicklung, Identität, Vertrautheit und historische Orientierung) kurz angesprochen und ein Bezug zur heutigen Zeit hergestellt.

Die gegenwärtige Stadtentwicklung vernachlässigt das historische München und ist geprägt durch die drängenden Verkehrsprobleme und dem Ausbau des Wohnungsangebots, durch die Erschließung neuer Stadtteile oder durch die Nachverdichtung bestehender Wohngebiete. In der Innenstadt gibt es zwar einige Brennpunkte wie der Ausbau der Alten Akademie, die Erweiterung der Fußgängerzone in der Sendlingerstraße, der Umbau des Georg-Kronawitter-Platzes, der nach wie vor völlig offenen Gestaltung des Marienhofes direkt hinter dem neuen Rathaus oder die Anbindung des Museumsviertels an die Innenstadt oder der totale Umbau des Münchner Hauptbahnhofs, eine umfassende städtebauliche Strategie wird jedoch bislang nicht erkennbar. Ein anderes Charakteristikum heutiger Stadtentwicklung ist die Bürgerbeteiligung. Bürger wollen und sollen mitreden, wenn es um die Gestaltung ihres Stadtteils und ihrer Stadt geht. Auch dazu sollen die nachfolgenden Darstellungen einige Anregungen liefern.

Während das barocke München innerhalb der zweiten Münchner Stadtmauer aufwändig renoviert und städtebaulich gut sichtbar wird, wie z.B. die barocken Kirchen (Asam-Kriche u.a.) und Adelspaläste, (s. z.B. Kardinal-Faulhaber Straße) wird das mittelalterliche München durch die noch erhaltenen Stadttore nur schwach und unzureichend repräsentiert.

München ist kein Millionendorf, sondern im Kern eine mittelalterlich geprägte Stadt. Das erschließt sich, wenn man den Stadtplan der Altstadt mit seiner ovalen Form betrachtet. Das Dörfliche zeigt sich vor allem in einigen später eingemeindeten Dörfern bzw. späteren Stadtvierteln wie Ramersdorf, Bogenhausen oder Obermenzing u.a.(s. Karte von Appian (1568).

Das größte historische Bauvorhaben der Stadt München waren die Befestigungsanlagen. Der erste Mauerring wird vor allem durch die fünf Stadttore dargestellt, von denen nur eines, nämlich der alte Rathausturm in rekonstruierter Weise noch vorhanden ist. Von der zweiten Stadtmauer stehen noch drei Stadttore, während die anderen Tore und Turmanlagen um 1800 zur Zeit des Kurfürsten Karl Theodor bis hin zur Zeit Ludwig I. abgetragen wurden, um München zu öffnen und Raum für Straßen und neue Bauwerke zu schaffen und eine leichtere Einbindung umliegender Gemeinden in die Stadt zu ermöglichen . Für den ersten Mauerring wird vor allem zur Diskussion gestellt, ob der sogenannte Schöne Turm am

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Übergang von der Kaufinger in die Neuhauserstrasse rekonstruiert werden kann. Ein zweiter Schwerpunkt ist der desolate Zustand des Marienhofs, für dessen in wenigen Jahren anstehenden Umbau (nach Abschluss der 2. Stammstrecke der Deutschen Bahn) die Einbeziehung des inneren und äußeren Schwabinger Tores diskutiert werden sollte.

Zur zweiten Stadtmauer Münchens werden zunächst die noch bestehenden drei Tore kurz beschrieben und mit historischen Vorbildern verglichen. Vor allem das Sendlinger Tor ist renovierungsbedürftig und sollte durch einen mittleren historischen Tor-Turm ergänzt werden, während das neugotisch geprägte Karls-Tor kaum ausbaufähig erscheint. Am größten Tor, dem Isar-Tor gibt es seitlich in der Westenriederstrasse einige Mauerreste, die dort ein unscheinbares Dasein fristen. Hier wird eine Rekonstruktion der Zwingermauer als rekonstruiertes Muster des zweiten Mauerrings mit einem Turm zur Diskussion gestellt.

Entstehung der Stadt und 1. Mauerring

Stadtmauern sind Befestigungsanlagen und hatten nicht nur die Funktion für Schutz, Sicherheit und Abgrenzung zu sorgen, sondern innerhalb enger Grenzen ein Stück Freiheit zu gewährleisten und die Entwicklung von Handel, Handwerk und Kultur zu ermöglichen. Wenn jemand eine geraume Zeit, z.B. ein Jahr in der Stadt leben konnte, galt er als frei gegenüber einem früheren Grundherrn. Nach außen grenzt sich die Stadt gegen den Herzog und der Willkür der Grundherren (Verfügung über Land und Leute) ab. Generell bedeutet die Stadtbefestigung einen Schutz vor Einfällen von Soldaten, vor Plünderungen und vor der Willkür des jeweiligen Landesherrn. Vor der Stadtgründung (1158) gab es, wenn auch schon einige Zeit zurückliegend, die Ungarneinfälle bis zur Schlacht auf dem Lechfeld 955 mit dem Sieg Otto des Großen. Ständig kam es zu internen Machtkämpfen um die Erbfolge der bayerischen Herzöge (s. Volkert, 2001) mit weit reichenden Auswirkungen auf die Gesamtbevölkerung. Im Inneren ging es um den Schutz von Händlern mit ihren Waren und von Handwerkern um ihre Arbeitsbereiche. Aber die Abgrenzung gegenüber Klöstern und Kirche, die großen Grundbesitz innerhalb der Stadtmauern hatten, war eine ständige Aufgabe. 1240 ging das Stadtgebiet München aus dem Besitz des Bischofs von Freising an den Herzog von Bayern über (Heydenreuter, 2007) 

Stadtmauern und Wehranlagen bildeten vielfach das größte städtische Bauprojekt, so auch in der Geschichte Münchens. Sie waren Ausdruck von Stärke, Macht und Reichtum einer Stadt, aber auch von Bedrohung und Zerstörungen. Über die Entstehung von München und deren erste schriftliche Erwähnung 1158 ist viel geschrieben und spekuliert worden. Auf diese Entstehungsgeschichte wird hier nicht im Einzelnen eingegangen. Sicherlich gab es schon vor 1158 Siedlungen auf dem späteren Stadtgebiet (s. Scholz, 2007).

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Über die Anzahl der Bauphasen der Münchner Stadtbefestigung kann man diskutieren, auf Grund verschiedener Quellen erscheint es praktikabel, von zwei Stadtmauern zu sprechen, wobei man für die erste Stadtmauer von zwei Ausbauphasen (ursprüngliche 1. Stadtmauer, Erweiterung in Richtung Tal mit dem Kaltenbachtor in der Höhe des Radlstegs) und für die zweite Stadtmauer drei Ausbauphasen ((1) die zweite Stadtmauer im engeren Sinn, (2) der Zwinger-Ausbau und (3) der Bastionenausbau) unterscheiden kann. Die Befestigung Münchens war eine gewaltige Bauaufgabe der Stadt über insgesamt etwa vier Jahrhunderte, von etwa 1180 bis 1648 mit zeitweilig wie beim Ausbau der Bastionengürtels bis zu 40.000 Schanzern (Heydenreuter, 2007).

Im Sandtner Modell von München (1572) sind der erste Stadtmauerring und seine Tü rme noch gut erkennbar. Die Stadttore des ersten Mauerrings sind der alte Rathausturm, der Ruffini-Turm, der Schöne Turm an Ende der Kaufingerstr, d.h. am Übergang zur Neuhauserstrasse und das innere und äußere Schwabinger Tor.

Zur Zeit der Stadtgründung gab es vermutlich nur Erdwälle mit Palisadenzaun und Graben. Der Beginn des Mauerbaus erfolgte wahrscheinlich erst ab 1180, also nach der Zeit Heinrichs des Löwen, und wurde um 1200 fertig gestellt. Demnach wäre die Bezeichnung Heinrichsstadt für diesen Altstadtkern eigentlich nicht berechtigt. Ob der Beginn des Baus der ersten Stadtmauer, eventuell schon Mitte der 1070-iger Jahre, also schon vor der offiziellen Stadtgründung 1158, erfolgte, bleibt unklar (s. Scholz, 2007, S. 44).

Die erste Stadtmauer Münchens war etwa 1,5 km lang mit fünf Tortürmen und umfasste eine Bodenfläche von etwa 17 Hektar. Sie war zweischalig gebaut und mit Kieselsteinen aufgefüllt, 8 – 10 m hoch, davor wurde ein 2 m tiefer und 14 m breiter Graben ausgehoben (Huber, 2015).

Von den Stadttoren des ersten Mauerrings verblieben bis auf dem heutigen Alten Rathausturm nur Abbildungen aus verschiedenen Zeitepochen, die teilweise erst nach dem Abriss angefertigt wurden (s. Huber, 2015).

1. Der Alte Rathausturm (Thalburgtor) neben dem alten Rathaus wurde nach dem 2. Weltkrieg rekonstruiert und ist als einziges Tor der ersten Stadtmauer als reales Gebäude im Stadtbild sichtbar. Im Vergleich zum Alten Rathaus wirkt der Alte Rathausturm wenig authentisch, sondern eher wie ein dazu gebautes mittelalterliches Modell, fast wie ein Spielzeugmodell. Und trotzdem stellt er eine Bereicherung dar.

2. Der nicht mehr existierende Ruffini-Turm (inneres Sendlinger Tor) am Eck Rindermarkt- Sendlinger Straße, an dessen Stelle heute der Ruffini-Block steht, benannt auch mit verschiedenen anderen Bezeichnung wie Püttrich-Turm, Blauer Enten-Turm , der bis 1806 dort gestanden hat. Das stämmige Tor in der Skizze von Lebschee erscheint wenig attraktiv.

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3. Der Schöne Turm, etwa in Höhe des heutigen Kaufhauses Hirmer am Übergang von der Kaufinger in die Neuhauserstraße, auch manchmal als Chufinger Tor bezeichnet (Huber, 2015), 1807 abgerissen (Heydenreuter, 2007, S13). Die Abbildungen von Steinlein (1920) zeigen verschiedene Versionen dieses Stadtturms. Welchen sollte man für eine Rekonstruktion wählen, welcher passt am besten in das heutige Stadtbild, wirkt echt und nicht wie ein Spielzeugmodell.- Solche Fragen kann vielleicht durch Simulationsmodelle, die einen realistischen Eindruck ergeben, besser geklärt werden als durch wortreiche Erläuterungen.

4. Das äußere Schwabinger Tor, praktisch als Abschluss der Weinstrasse an der Grenze zur Theatinerstrasse; andere Namen waren Wilprechtsturm oder auch Nadel – oder Schäffler Turm, es stand dort bis 1690. Das Tor wirkt bescheiden und wenig repräsentativ, könnte aber für den vermutlich auch in Zukunft unbebauten Marienhof eine markante Abgrenzung bilden.

5. Das innere Schwabinger Tor, auch mit verschiedenen Namen belegt wie Krümleinsturm, Muggenthaler- oder LaRosee-Turm, als Abschluss der Residenzstraße, etwa auf der Höhe der heutigen Franziskaner Gaststätte. Auch für dieses Stadttor gilt, dass es nicht besonders auffällig erscheint, aber den Marienhof stärker zu Geltung bringen kann. Welche historische Version am attraktivsten erscheint, ist schwer zu entscheiden, könnte aber in einem Architektur-Wettbewerb zum Marienhof vorangebracht werden.

 

Das Stadtgebiet der Münchner Kernstadt und die schon vor der offiziellen Stadtgründung angesiedelten Mönche (Munichen) gehörten wahrscheinlich dem Kloster Schäftlarn , manche stellen auch eine Verbindung zum Kloster Tegernsee her, und schließlich gehörte mancher Bodenbesitz und Nutzungsrechte auf dem Gebiet des heutigen Münchens auch zum Bistum Freising, war aber rechtlich als Regulariennutzung durch den König umstritten ist (s. Bauer, 2005, Heydenreuter, 2007). Man sollte sich vor Augen halten, dass man letztlich nur die beiden Dokumente des Augsburger Schieds von 1158 und des Regensburger Schieds von 1180 zur Verfügung hat, um den ganzen Konflikt der Stadtgründung zu beurteilen. Daneben gibt es einige historische Bemerkungen zu Auseinandersetzungen zwischen Babenberger und Welfen, zwischen dem Herzog von Bayern und dem Bischof von Freising (s. Bauer, 2005).

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Im Augsburger Schied wurde München, d.h. dem Herzog ein Marktrecht, ein Münzrecht und ein Zollrecht (das letztere gemeinsam mit dem Freisinger Bischof) zugesprochen. Im Regensburger Schied von 1180 bekam der Freisinger Bischof Recht und München sollte wieder ausgelöscht werden, was aber offenbar nicht geschah. Der Freisinger Bischof wurde lediglich an den Zolleinnahmen beteiligt.

Der Aufstieg der Stadt München war lange Zeit keineswegs gesichert: Zunächst wurden die Welfen unter Heinrich dem Löwen mit dem Herzogtum Bayern belehnt. Nach Verweigerung der militärischen Unterstützung für den Kaiser Friedrich Barbarossa wurde ihm das Herzogtum Bayern wieder entzogen, und gleichzeitig wurde 1180 das Herzogtum Bayern an den Wittelsbacher Otto für dessen treue Dienste für den Kaiser verliehen. Der Vorteil Münchens gegenüber Städten wie Augsburg oder Regensburger war, dass München nicht unmittelbar dem Kaiser unterstand, sondern meist permanenter Regierungssitz eines Bayerischen Herzogs war, der ein Eigeninteresse am Ausbau und Sicherung seines Erbes hatte. Regensburg war zeitweilig Hauptsitz der bayerischen Herzöge aus dem Haus der Agilolfinger (500-788) und später zur Zeit Ludwig II des Deutschen.

Der Bau einer Stadtmauer musste durch den König, in diesem Fall durch Kaiser Barbarossa, genehmigt werden (Scholz, 2007). Man unterscheidet in dieser Zeit Marktrecht, Münzrecht, Zollrecht und Stadtrecht. Ob die Zollbrücke in Föhring wirklich zerstört wurde, ist umstritten, im Augsburger Schied ist von Streit, nicht von Gewaltanwendung die Rede. Föhring war wohl mit einer Zollbrücke und einem Münzrecht ausgestattet, als Heinrich der Löwe diese Situation mit Gewalt änderte. Ein erstes Stadtrecht wurde von Herzog Rudolf dem Münchner Stadtrat zugestanden, später erfolgte Kaiser Ludwig dem Bayer ein weitergehendes Stadtrecht für München.

 

Folgerungen:

  1. Der Straßenverlauf der Münchner Kernstadt zeigt im ovalen Grundriss den Verlauf der ersten, nicht mehr erhaltenen Stadtmauer noch deutlich an. Dieser Altstadtkern kann durch die Rekonstruktion von Stadttoren (Schöner Turm, inneres und äußeres Schwabinger Tor) auch im heutigen Stadtbild besser sichtbar gemacht werden.

  2. Der Schöne Turm, in welcher Version auch immer, ist von der Architektur her interessant und erscheint durch die Laienbrille gesehen, am ehesten rekonstruierbar.

  3. Das innere Sendlinger-Tor findet im jetzigen Häuserverlauf (Ruffini-Block) keinen passenden Platz mehr und wirkt nicht besonders attraktiv.

  4. Das innere und äußere Schwabinger Tor sind durch ihre Architektur zwar nicht auffällig, sie sollten jedoch bei der Neugestaltung des Marienhofes mit einbezogen werden und könnte zu einer Aufwertung beitragen.

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 Der zweite Mauerring (1294 – 1333), die Zwingermauer (1430 – 1472) und die Bastionen (Abschluss 1638)

Der zweite Mauerring (s. Huber, 2015)

Der Bau des weiten Mauerrings hing mit der starken Expansion der Stadt zusammen: Um 1300 hatte München etwa 10.000 Einwohner in einem sehr beschränkten Stadtraum, Ende des 15. Jahrhunderts waren es schon 13.000 (Heydenreuter, 2007).

Begonnen wurde der zweite Mauerring unter Herzog Ludwig II, dem Strengen (1253-94); Der Beiname von Herzog Ludwig bezog sich auf dessen Verhalten zu einer vermeintlichen Untreue seiner Frau, die er ohne Nachweis hinrichten ließ. Um 1319 wurden neue Stadttore erbaut: das Angertor gibt es nicht mehr, das Sendlinger Tor, das heute noch in Teilen steht, das Neuhauser Tor am Stachus, das später in einem neugotischen Stil völlig umgebaut wurde, das nicht mehr existierende Schwabinger Tor etwa an der Stelle der Feldherrnhalle und schließlich noch das Isartor, das auch beinahe abgerissen worden wäre, wenn es nicht von König Ludwig I. vor dem Abriss gerettet worden wäre.

Ab 1320 wurden zahlreiche andere Wehrtürme ausgebaut, auf die hier nicht weiter eingegangen wird). Die Länge der zweiten Stadtmauer betrug etwa vier Kilometer im Vergleich zu 1, 5 Km der ersten Stadtmauer, die Fläche ca. 91 Hektar im Vergleich zu 14 Hektar der ersten Stadtmauer und war damit fast 7- mal größer (vgl. Huber, 2015).

Dem Isartor vorgelagert, am Ende der Zweibrückenstraße vor der Ludwigsbrücke, war ein Art Zollhaus, das später Roter Turm (1517/19) genannt wurde.

1337, zur Zeit Ludwig des Bayern, erfolgte der Abschluss des zweiten Mauerrings mit dem Bau des Isartors (ca. 40 M hoch), die beiden etwas vorgelagerten Türme bildeten einen Innenhof.

Die der Stadtmauer vorgelagerte Zwingermauer wurde ab 1424 unter Herzog Ernst, vermutlich in Zusammenhang mit den Hussitenkriegen errichtet, sie war 4-5 m hoch, Abstand zur Hauptmauer betrug etwa 7-9 m.

 

Von den 10 Stadttoren (8 öffentliche, 2 nicht öffentliche) sind nur drei in stark veränderter Form vorhanden, nämlich das Sendlinger Tor, das Isartor und das Neuhauser Tor (s. Huber, 2018). Reste der zweiten Stadtmauer finden sich in der Jungfernturmstraße (in der Nähe des Literaturhauses)

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zwischen der zweiten Stadtmauer und vorgelagerter Zwingermauer (ca. 35 m hoch). Fundamente des runden Prinzessturms (auch Scheibling genannt) und Reste der Zwingermauer wurden im Gebäude der Stadtsparkassenfiliale am Isartor entdeckt und sind dort heute noch zugänglich.

Weitere Fundamente der Zwingermauer gibt es in der heutigen Westenriederstraße Richtung Viktualienmarkt (als eine Art Denkmal) und wurden als ein Teil der Zwingermauer transloziert von der Westenriederstraße10 -12. Der weitere Mauerverlauf wurde durch Pflasterung angedeutet. Leider kann man sich aus diesen kümmerlichen Resten kaum ein Bild von der Zwingermauer machen. Hier wäre eine gute Stelle, ein Stück Mauer mit einem Turm zu rekonstruieren.

Die rund 100 Türme der zweiten Stadtmauer sind bislang nicht alle namentlich identifiziert.

Es wird zwischen Haupttoren, die außer dem Schwabinger Tor (etwa an der Feldherrnhalle gelegen) heute noch sichtbar sind, und Nebentoren unterschieden, die im heutigen Stadtbild nicht mehr existieren. Die Haupttore sind folgende:

 

1. Das Isar Tor, das nur mit Mühe von Ludwig I gerettet wurde und von seinem Architekten Friedrich von Gärtner 1835 (Bauer, 1994) leicht umgebaut wurde. Als einziges der drei noch vorhandenen Tore hat es noch den hohen Turm in der Mitte, der typisch auch für die anderen großen Stadttore war.

 

2. Das Sendlinger Tor, das ohne den mittleren hohen Turm etwas verwahrlost dasteht und aus verkehrstechnischen Gründen (1906, Bauer, 1994) mit einem großen Durchlass umgebaut wurde, und bedarf dringend einer Renovierung und Umgestaltung. Vor allem sollte auch der mittlere hohe Turm wieder rekonstruiert werden. Dadurch wirkt die ganze Toranlage kompakter.

Abb.

3. Das Neuhauser Tor, später auch Karlstor genant, dessen mittlerer Turm 1857 durch eine Pulverexplosion zerstört wurde und das 1861 von Zenetti neugotisch gestaltet wurde, und jetzt einigen Münchner Originalen gewidmet wurde, erschient kaum mehr veränderbar .

Abb.

4. Das Schwabinger Tor im Norden gibt es zwar heute nicht mehr, das etwa an Stelle der Feldherrnhalle stand, war jedoch als Ausgang nach Norden in Richtung Schwabing ein Haupttor der zweiten Stadtmauer.

Die heute nicht mehr sichtbaren Nebentore der zweiten Stadtmauer seien nur kurz erwähnt:

Das Angertor etwa an der Blumenstraße, wo heute das Marionetten-Theater steht;

Das Tor Am Einlass (Schiffertor), etwa am Markt gelegen, durch das man auch nach 21:00 bzw. 22:00 noch in die Stadt kommen konnte. Das Kosttor (auch Wurzertor genannt) am heutigen Kosttor zwischen Maximiliansstrasse und dem Hofbräuhaus gelegen.

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Das Neuvesttor an der Neufeste, das Taeckentor an der Ecke Westenrieder/ Sterneckerstraße und das erst 1805 von Nikolaus Schedel von Greffenstein erbaute Max-Tor (zu Ehren König Max Joseph I. unbenannt, ursprünglich Pranner-Tor) etwa am heutigen Maximilians-Platz), das aber nie Teil einer Befestigungsanlage war, sondern lediglich einen optischen Abschluss zum Maximiliansplatz bildet und nach dem 2. Weltkrieg durch Erwin Schleich rekonstruiert wurde.

Die vier alten Stadtviertel (geteilt von Ost nach West durch das Tal /Kaufinger-Neuhauser Straße sowie von Süden nach Norden durch die Sendlinger-, Wein- und Theatiner- Straße) waren das Anger Viertel (im Südosten zwischen Sendlinger Tor und Isar Tor), das Hacken-Viertel im Südwesten (zwischen Sendlinger Tor und Neuhauser Tor , die Graggenau im Nordosten (zwischen Isartor und Schwabinger Tor) und das Kreuzviertel im Nordwesten (zwischen Schwabinger Tor und Neuhauser Tor.

Neben der Stadtbefestigung sind die wichtigsten Bauten im mittelalterlich München der Alte Hof als herzogliche Burg und später die Neufeste (Residenz, ursprüngllich von einem Wassergraben umgeben), die spätgotische Frauenkirche durch Baumeister Jörg von Halsbach (geweiht 1494, begonnen 1468), das Alte Rathaus ebenfalls durch Jörg von Halsbach und die schon zur Renaissance gehörende Michaelskirche und das Jesuitenkolleg.

Der Alte Hof (alte Veste) entstand im 14. Jahrhundert und war die spätere Stadtresidenz Kaiser Ludwig des Bayern, die heutige Form weist viele Veränderungen bis zur Unkenntlichkeit auf, wie der Vergleich einer alten Rekonstruktion mit den heutigen Gebäuden zeigt. Der Wiederaufbau erscheint nur in wenigen Teilen geglückt. Die zentrale Lorenz-Kapelle, in der einst die Reichinsignien zur Zeit Kaiser Ludwig des Bayern aufbewahrt wurden, existiert nicht mehr und ist jetzt durch einen ahistorischen Zweckbau ersetzt.

Für das mittelalterliche München war Kaiser Ludwig der Bayer (1282-1347, ab 1314 römisch-deutscher König, ab 1328 Kaiser) besonders wichtig, weil in seiner Zeit eine der bayerischen Landesteilungen überwunden wurde, der Ausbau des zweiten Stadtmauerrings abgeschlossen werden konnte und München für einige Zeit zum Zentrum des römisch-deutschen Reiches wurde. Allerdings gab es ständig Konflikte mit den Päpsten jener Zeit, die in Avignon residierten (mit Bann und Gegenbann) sowie mit dem anfänglichen Mitkönig Friedrich den Schönen und mit den Reichsfürsten (Liebhart, 1998).

Das spätgotische Alte Rathaus: (erbaut zw. 1470 -1480 von J. von Halsbach) wirkt im Vergleich architektonisch original und authentisch, während der rekonstruierte Alte Rathausturm (Talburgtor) nicht ganz überzeugen kann. Zwei weitere große Bauwerke der historischen Kernstadt sind die Michaelskirche im Renaissance- oder frühen Barockstil (1583-1597 von Friedrich Sustris und Wendel Dietrich) und das Jesuitenkolleg, beide errichtet zur Zeit Wilhelms V, des Frommen. Dafür wurden 87 Häuser (auch zum Teil für die neue Residenz, der Herzog-Max-Burg) abgerissen.

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Hinzu kam der Ausbau der Münchner Residenz, der Neuveste: Seit 1385 wurde mit der Neuveste als neuer Burg in der Stadt begonnen und vor allem zwischen 1600 und 1618 durch den späteren Kurfürsten Maximilian ausgebaut.

  

Bau des Bastionengürtel (1619- 1648, als Verstärkung der zweiten Stadtmauer)

Die Weiterentwicklung der Kriegsgeräte, vor allem der Kanonen (größere Reichweite, größere Durchschlagskraft) hat dazu geführt, dass die bislang üblichen Mauerbefestigungen keinen ausreichenden Schutz mehr boten. Der 30-Jährige Krieg hat die Gefahr einer Besetzung von Städten in Bayern deutlich erhöht, so dass man auch in München versucht hat, die Befestigungsanlagen erheblich auszubauen. Der Befestigungsausbau in München war das größte Bauvorhaben der Stadtgeschichte und zog sich insgesamt über 4 Jahrhunderte hin.

In einem 30 Meter breiten Festungsgürtel sternförmig um die zweite Stadtmauer entstanden sog. Bastionen als Wallanlage. Das waren gestampfte Erdmassen (teilweise im Bereich der Stadttore gemauert) und zusätzlich neun verteilte Bollwerke für Kanonengeschütze. Dahinter Versorgungswege und ein Graben mit 30 cm Tiefe. Vor der Bastion befand sich auch ein Graben etwa 5 m tief und 10 m breit. Und davor eine freies Feld, Glacies genannt.

Vor dem Bau der Bastionen war der Platz vor der Stadtmauer durch Gärten und Äcker, Werkstätten und Mühlen belegt, all das musste entfernt werden, um Platz für Bastionen und andere Befestigungsanlagen zu schaffen.

Die Bevölkerung ganz Oberbayerns wurde für den Festungsausbau herangezogen, München stellte 200 Männer und 300 Frauen (von ca. 20.000 Einwohner), 2000 auswärtige Arbeiter wurden angeheuert.

Bis zur Besetzung Münchens (1632) durch den schwedischen König Gustav Adolf im 30ig jährigen Krieg verlief der Ausbau zunächst zögerlich und langsam. Nach Abzug von Gustav Adolf wurden Ausbau und Fertigstellung des Bastionengürtels wesentlich verstärkt:

Bis zu 40.000 Arbeiter waren zeitweilig beschäftigt, 30.000 auswärtige und 10.000 Münchner Schanzarbeiter. Es kam zu Schwierigkeiten mit der Unterkunft der auswärtigen Arbeiter sowie zu Problemen der Versorgung mit Nahrungsmittel. Durch die hohen Kriegskosten kam es auch zu einer Inflation durch minderes Geld mit einem geringeren Silberanteil.

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Die Gesamtkosten betrugen etwa 2 Millionen Gulden (Heydenreuter, 2007).

17 Bastionen und 5 Raveline (dreieckige Wehranalage) wurden gebaut, Wälle bis zu 8 m hoch aufgeschüttet, die Basis der Wälle war bis 30 m breit. Um die gesamte Anlage zog sich ein Graben, der bis zu 30 m breit und durchschnittlich 3 m tief war.

Zwischen Wall und Graben gab es sog. Berme (Absatz im Wall, mit Palisaden)

Von der wahrscheinlich größten Baumaßnahme Münchens sieht man fast nichts mehr. Von den Bastionen ist nur noch ein kaum sichtbarer Rest vorhanden in der Parkanlage des Finanzgartens. Der Straßenverlauf und die Breite der Sonnenstraße und der anschließende Maximiliansplatz weisen auf den damals erforderlichen Raum für Bastionen und anderen Befestigungen hin.

Dieser Bastionengürtel wurde erst am Ende des 30-jährigen Krieges 1648 fertig gestellt. Er hat im Ausbaustadium nicht verhindert, dass die Schweden unter König Gustav Adolf München im Jahr 1632 kampflos eingenommen haben. 1646 waren die Befestigungen jedoch soweit wieder hergestellt, dass man in diesem Jahr einen erneuten Ansturm der Schweden abwehren konnte. Die Besetzung Münchens im österreichischen Erbfolgekrieg wurde jedoch nicht verhindert.

Kurfürst Karl-Theodor verkündete, dass München ab 1795 keine Festung mehr sei (Entfestung). Die Stadt platzte mit etwa 40.000 Einwohner aus allen Nähten. Zwischen 1700 und 1800 erhöhte sich die Einwohnerzahl von 20.600 auf 36.000. Ende des 15. Jahrhunderts hatte München nur etwa 13.000 Einwohner (Heydenreuter, 2007). Die Stadt konnte sich nun nach allen Seiten ausdehnen.

Wirtschaftliche Entwicklung:

Von 1369 bis 1500 stieg die Einwohnzahl von 10.810 auf 13.447 (etwa um 25%). In den nächsten zwei hundert Jahren stieg die Einwohnerzahl um 79% auf 24.000 im Jahr 1700, zur Zeit des 30-jährigen Krieges (1630) betrug die Bevölkerungszahl etwa 20.000.

Neben Handel (Salz u.a.), Handwerk und Bauwesen (z.B. Holzhandel und Holzverarbeitung) war die Entwicklung des Brauwesens (s. Assel & Huber, 2009) für München ein ebenso wichtiger wirtschaftlicher Faktor wie später in der Gründerzeit.

Eine wichtige Einnahmequelle des Bayrischen Herzogs war neben dem Salzmonopol die Vergabe von Lizenzen bzw. die Erhebung von Steuern zur Bierherstellung sowie später die eigene Bierherstellung durch Gründung des Hofbräuhauses (zuvor wurde Bier für den Hof von außerhalb eingekauft). Um 1600 wurde das Weißbiermonopol eingeführt, das die Verschwendung von Weizen für die Bierherstellung einschränken sollte.

München stand hinsichtlich Verkehr, Handel und Handwerk in Konkurrenz mit Augsburg, das den Nord-Süd Handel lange Zeit beherrschte (Via Claudia Augusta, Reschenpass, Fernpass,

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Füssen, Augsburg). Die Alternative war der Brennerpass, dann Mittenwald (Bozner Messe wurde nach Mittenwald verlegt 1487), Garmisch, Augsburg bzw. München oder Brennerpass, Inntal nach Wasserburg, München bzw. auf dem Inn weiter nach Passau. Die Hoffnung auf Bodenschätze in den Alpen bezog sich vor allem auf Silbervorkommen im Raum Schwaz und Brixlegg, die im Besitz der Fugger in Augsburg waren.

Rolle und Funktion von Stadtarchitektur

Städte im Mittelalter waren meist um einen Marktplatz herum angelegt oder gruppierten sich um zentrale Kirchen. Burganlagen wie der Alte Hof oder die Neufeste in München standen eher am Rande. Das städtische Leben im Mittelalter ist charakterisiert durch Handel (regional und überregional), Handwerk und Kirche. Zünfte wie die Färber nutzten vor allem die meist zahlreichen Stadtbäche, die gleichzeitig als Teil von Befestigungsanalagen auch Schutz bieten sollten. Der Handelsplatz in der Stadt hatte eine eigene Gerichtsbarkeit und grenzte sich meist vom Landesherrn und von der kirchlichen Gerichtsbarkeit ab.

Die mittelalterlichen Stadtansichten z.B. von Merian sehen meist sehr ähnlich aus. Das liegt an ihrem einheitlichen Aufbau mit Stadtmauern und Türmen, Kirchen und Palästen. Die freien Reichsstädte waren zwar stärker durch das Bürgertum geprägt als die von einem Bischof (z.B. Würzburg Mainz und Köln) oder Landesfürsten beherrschten Städte, was aber im Stadtbild nicht so unterschiedlich zum Ausdruck kam . In der Architektur der Stadt zeigte sich der Reichtum der Kirche und des jeweiligen Herrschers und Landesherrn und meist auf Augenhöhe auch der Reichtum und der Einfluss von Patriziern, Gilden und Zünfte.

Die Stadt wurde im Mittelalter zum Ort der wirtschaftlichen, technischen und kulturellen Entwicklung. Gilden und Zünfte in den Städten. begannen auch ihre noch junge Geschichte aufzuschreiben und zu dokumentieren. In München kann es erst ab 1818 zu einer prospektiven Aufzeichnung der Stadtchronik, aber retrospektiv gibt es eine Dokumentation der Stadtereignisse seit 1157 bis 1817 durch Helmuth Stahleder (Stahleder, 1995, Huber, 2004). Die Bürger waren stolz auf ihre Stadt und identifizierten sich mit ihr in hohem Maße.

Heute geht es verstärkt um Orientierung in einer unübersichtlich gewordenen, vielfältigen und doch übergreifenden (national und übernational) auch ähnlichen Stadtwelt sowie einer partiellen Verwurzelung mit der jeweiligen geschichtlichen Entwicklung der Stadt neben der nach wie vor unübersehbaren Präsentation von Reichtum, Fortschritt, Stolz und Macht.

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Gesamtfolgerungen:

  • München ist kein Millionendorf, sondern umfasst eine mittelalterlich-barocke Kernstadt, eine königliche-klassizistische sowie eine bürgerliche Erweiterung um die Kernstadt herum.

Für die Akzentuierung des mittelalterlichen Stadtbildes von München ist eine Reihe von Maßnahmen wünschenswert:

  • Dringend erforderlich ist eine Renovierung und Erweiterung des Sendlinger Tors. Abbildungen vor dem verkehrsgerechten Umbau des Sendlinger-Tors liefern Vorlagen für einen Umbau. Gleichzeitig können bestehende Vorschläge aus den letzten Jahren zur Öffnung eines Stadtbaches in der Herzog-Wilhelm-Straße aufgenommen und integriert werden.

  • Eine Rekonstruktion des Schönen Turms zwischen Kaufinger und Neuhauserstraße ergänzt das mittelalterliche Stadtbild Münchens und weist an prominenter Stelle stärker als die anderen Stadttore auf das mittelalterliche München hin. Welche Version rekonstruiert werden könnte, ist eine offene Frage.

  • Das jetzige Denkmal zur zweiten Stadtmauer in der Westenrieder Straße am Isartor bedarf einer völligen Überarbeitung. Es sollte zu Demonstrationszwecken ein Teilstücks der Zwingermauer erstellt werden, um eine konkrete Vorstellung dieser zweiten Stadtmauer zu erhalten. Evtl. lässt sich der Taeckenturm (s. Huber, 2015) integrieren.

  • Bei der Neugestaltung des Marienhofs sollte man überlegen, wie man das innere und äußere Schwabinger Tor miteinbeziehen könnte. Ein Architekturwettbewerb könnte hier entsprechende Ideen und Vorschläge erarbeiten.

 

Ausblicke

In der heutigen Stadtarchitektur fehlt eine integrierende Verbindung von Architekturen der Vergangenheit mit der Architektur der Gegenwart als Stilrichtung und nicht nur als Einzelgebäude. Es gibt zu wenig Geschichtsverständnis bei Architekten und Stadtplanern, zu selten werden alte Bauten in neue Architektur systematisch integriert.

Die Rekonstruktion früherer markanter Bauten und Denkmäler wird von vielen besonders kritisch gesehen, wie z.B. Reaktionen der Öffentlichkeit zur Rekonstruktion der Altstädte in Dresden und Frankfurt gezeigt haben oder bei der umstrittenen Rekonstruktion des Stadtschlosses in Berlin (s. Braum & Baus, 2009, Habich et al., 2013).

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In München besteht die Chance, das mittelalterliche Stadtbild durch verschiedene bauliche Maßnahmen, wie oben dargestellt, stärker präsent werden zu lassen:

Die Gefahr, Spielzeugmodelle mittelalterlicher Bauten zu erstellen, besteht durchaus, sollte aber erkannt und durch überzeugende Entwürfe bewältigt werden können (vgl. die Diskussion zum Thema Rekonstruktion in Deutschland, Braun & Baus, 2009). Auch wenn das Thema umstritten bleibt, sollte sich die Stadtentwicklung in München dieser Kontroverse stellen.

Generell über das Mittelalter hinaus ist die Verbindung lokaler historischer Bauwerke mit moderner Architektur eine herausfordernde und reizvolle Aufgabe, die bislang wenig, wenn überhaupt angenommen wird.

Die allseits geforderte Beteiligung des Bürgers an der Stadtgestaltung sollte auch den Aspekt historischer Architektur miteinbeziehen und entsprechend genutzt werden. Das ist kein neuer Ansatz, sondern das gab es zu allen Zeiten in der Geschichte, z.B. die Neuauflagen von Antike, die Neoromanik, Neugotik, Neubarock und anderer Stilrichtungen mit allem Für und Wider.

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Literatur

Assel, A. & Huber, C. (2009) München und das Bier.

München: Volk.

 

Bauer, R. (2005) Geschichte Münchens. 2. Auflage

München: B eck.

 

Braum, M & Baus, U (Hrsg.) 2009 Rekonstruktion in Deutschland

Basel (u.a.): Birkhäuser.

 

Buttinger, S. (2006) Das Mittelalter

Stuttgart: Theiss.

 

Goetz, H-W. (2014) Bauern leisten Schwerstarbeit. Gespräch mit H.W. Götz geführt von Großbomgardt, A. & Salzwedel, J. In: Großbongardt, A. & Salzwedel, J. (Hg.) (2014) Leben im Mittelalter. München: Deutsche Verlagsanstalt

 

Großbongardt, A. & Salzwedel, J. (Hg.) (2014) Leben im Mittelalter.

München: Deutsche Verlagsanstalt.

 

Gunkel, C. (2014) Joch der Sklaverei. In: Großbongardt, A. & Salzwedel, J. (Hg.) (2014) Leben im Mittelalter.

München: Deutsche Verlagsanstalt.

 

Habich, J., Buttlar, v. A., Dolff-Bonekämper, G., Falser, M.S., Hubel, A., Mörsch, G. (2013) Denkmalpflege statt Attrappenkult. Gegen die Rekonstruktion von Baudenkmälern- eine Anthologie

Basel, Berlin: Birkäuser, Bauverlag

 

Heydenreuter, R. (2007) Kleine Münchner Stadtgeschichte. Neuauflage 2012.

Regensburg: Friedrich Pustet.

 

Huber, B. (2004) Tagebuch der Stadt München. Die offiziellen Aufzeichnungen der Stadtchtonisten 1818-2000.

Ebenhausen bei München; Dölling und Galitz

 

Huber, B. (2015) Mauern, Tore, Bastionen. München und seine Befestigungen.

München: Volker.

 

Liebhart, W. (1998) Altbayerische Geschichte.

Dachau: Bayerland.

 

Mortimer, I. (2015) Zeiten der Erkenntnis. Wie uns die großen historischen Veränderungen bis heute prägen

München, Berlin: Piper

 

Reichlmayr, G. (2013) Geschichte der Stadt München

Erfurt: Sutton.

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Scholz, F. (2007) Die Gründung der Stadt München

München: Canaletto

 

Stahleder, H. (1995) Chronik der Stadt München. Herzog- und Bürgerstadt Vol. 1. Die Jahre 1157-1505. München: Hugendubel.

 

Stahleder, H. München- ein chronologischer Überblick.

https:.//www.muenchen.de zuletzt aufgerufen 1.07.2019

 

Weinfurter, S. (2018) Das Reich im Mittelalter. Kleine deutsche Geschichte von 500 bis 1500.

München: Beck 3. Auflage

 

Volkert, W. (2001) Geschichte Bayerns.

München: Beck.

 

Weithmann M. (2006) : Burgen in München

München: Stiebner.