Dienstag, 26. Mai 2015, 19:00 Uhr, Künstlerhaus am Lenbachplatz
Dr. Dirk Heißerer, München
„Thomas Mann in der Karikatur“

Der erste Karikaturist Thomas Manns war er selbst. Schon der 14-jährige skizzierte sich in einem Brief als „lyrisch-dramatischer Dichter“ mit Monokel und Zylinder. Und der 21-jährige Karikaturist verlieh dem „Läben“ in dem zusammen mit Bruder Heinrich verfassten „Bilderbuch für artige Kinder“ (1896) selbstironisch eigene Züge.

Die erste öffentliche Karikatur Thomas und Heinrich Manns zeichnete der einstige Simplicissimus-Kollege

Th. Th. Heine für Franz Bleis Bestiarium der modernen Literatur (1922). Thomas Manns markante Nase prägte die Zeichnungen der Jahre bis 1922 zwischen den Themen Politik und Dichterakademie. Die NS-Presse verhöhnte den Repräsentanten eines vermeintlich überlebten Bürgertums, und in der Nachkriegszeit machte man sich über Manns Goethe-Nachfolge und die Annäherung an den Osten lustig. Interessant ist Thomas Manns solides Nachleben auch in der Karikatur, etwa bei Loriot, Hans Traxler oder Robert Gernhardt.